Wir sind Aida, Anouk und Azrael. Oder die drei “As”, wie sie uns hier drin mittlerweile nennen. Vagabunden, Streuner, Freiheitskämpfer! Eine Gang. Oder zumindest waren wir das... bis die listigen Dosenöffner unsere Unachtsamkeit ausgenutzt und uns in diese… Einrichtung verfrachtet haben. Sie nennen es „Tierheim“, doch für uns fühlt es sich eher an wie ein Hochsicherheitsgefängnis. Man munkelt, sie wollen uns dabei helfen, ein "gutes Zuhause" zu finden - aber wie sollen wir wissen, was das ist?? Knast bleibt Knast.
Die Wärter – ´tschuldigung, die „Pfleger“ – geben sich größte Mühe, uns mit Bestechungen in Form von Nassfutter, weichen Decken und Spielzeug zu korrumpieren. Ha, lächerlich! Glauben die wirklich, dass eine kuschelige Höhle uns über die endlosen Weiten der Nacht hinwegtröstet? Dass ein Kratzbaum den Nervenkitzel ersetzt, den ein Sprung auf einen wackeligen Gartenzaun bietet?
Früher war unser Leben ein einziges Abenteuer. Balken im Schuppen erklimmen, Mäuse fangen, rivalisierende Katzenbanden in ihre Schranken weisen – wir hatten alles im Griff. Keine Tür, keine Mauer, kein Fensterbrett war vor uns sicher. Doch von einen Tag auf den anderen war es vorbei mit unserer Freiheit. Wir hätten es wissen müssen! Aber Hunger ist ein hinterhältiger Verräter.
Wir haben unsere Fluchtpläne natürlich längst geschmiedet. Azrael, unser Strategiemeister, arbeitet unermüdlich daran, das Gitter der Außengehege auf Schwachstellen zu prüfen. Anouk übt sich in Tarnung – sie kann so perfekt mit dem Schatten verschmelzen, dass die Wärter oft denken, sie sei gar nicht da. Und ich, Aida? Nun, ich perfektioniere meine legendäre Blick-des-absoluten-Grauens-Technik, um die Menschen nervös zu machen. Klappt auch. Ich glaub, die haben echt Respekt vor mir! Die Wärter nennen uns "verwildert", "scheu" oder "schwierig". Wir nennen es: ungebrochen.
Doch so sehr wir uns über dieses „bequeme“ Leben beklagen – und das tun wir mit Leidenschaft! – müssen wir zugeben, dass es hier gewisse Annehmlichkeiten gibt. Unsere Fressnäpfe werden wie von Geisterhand gefüllt (was ein echter Luxus ist!). Die Kälte bleibt draußen, während wir es drin angenehm warm haben. Und diese Dosenöffner sind echt hartnäckig – es scheint, als wollten sie uns wirklich mögen. Allerdings vergeht immer mehr Zeit und wir müssen einsehen, dass wir wohl nicht so schnell in unsere altes Revier zurückkehren werden - wenn überhaupt…
Also gut, wenn wir schon irgendwo festsitzen müssen, dann – und nur zur allergrößten Not – könnten wir uns mit einem Leben als Hofkatzen abfinden. Aber nur unter bestimmten Bedingungen: Keine Kuschelattacken. Keine albernen Katzenspielzeuge. Keine dämlichen Spitznamen wie „Schatzi“. Und auf gar keinen Fall ein Körbchen im Haus – wir sind doch keine Stubentiger! Wir sind Straßenkämpfer! Ein Bauernhof wäre vielleicht akzeptabel. Felder, Scheunen, Mäusejagd – das wäre ein Kompromiss, mit dem wir leben könnten. Wir würden sogar dulden, dass die Menschen uns mit Futter versorgen, sofern sie es mit gebührendem Respekt und Abstand tun.
So viel ist jedenfalls sicher: Eines Tages werden wir diesen Ort verlassen. Eines Tages werden wir wieder durch unser eigenes Territorium streifen, in den Schatten verschwinden und unsere Freiheit zurückerobern. Bis dahin beobachten wir, lauern wir, warten wir...
Und bis es soweit ist, genießen wir die kostenlose Vollpension – und lassen die Wärter in dem Glauben, dass sie uns zähmen könnten. Träumt weiter, Zweibeiner. Träumt weiter.
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