Erfolgsstories


 

Belinda



Ende gut, alles gut
An einem schönen Spätsommertag vor vielen Jahren passierte, was leider so häufig passiert – ein Unfall mit einer Katze. Es geschah fast direkt vor dem Haus einer Tierschützerin. Ein Motorradfahrer hatte angehalten und schimpfte ganz grob hinter einem davonfahrenden Auto hinterher. Ganz vorsichtig und behutsam legte er die augenscheinlich angefahrene Katze auf den Gehweg. Die Tierschützerin, die darauf aufmerksam wurde, kam aus dem Haus gelaufen, um zu helfen. Sie wusste sofort, was zu tun ist und brachte die Katze zu einer Tierärztin.
Am nächsten Tag erfuhren wir, dass diese wunderschöne, schwarze Katze gar nicht angefahren wurde. Die Tierärztin teilte mit, dass die Katze angeschossen wurde. Sehr viele Schrotkugeln wurden während der Not-OP entfernt. Die Mieze hatte bei diesem Unglück doch noch einen Schutzengel, denn eine der Kugeln hatte ganz knapp die Lunge verfehlt.
Während die Katze bei der Tierärztin auf Station gesund gepflegt wurde, wollten wir den Besitzer ausfindig machen. Als die Katze so genesen war, dass sie entlassen werden konnte, vermisste sie immer noch niemand. Konnte es wirklich sein, dass diese wunderschöne, schwarze Katze kein Zuhause hatte?
Die dem Menschen zugeneigte, ca. 7jährige Katze kam zu uns ins Tierheim und sie bekam den Namen Belinda. Die Suche nach einem eventuellen Besitzer ging weiter. Als sich lange Zeit niemand für sie meldete, sollte sie vermittelt werden. Belinda war lieb, köpfelte ab und zu mal, ließ sich streicheln – mehr aber auch nicht. Sie „sagte“ dem Menschen, wann es genug war mit der Zuwendung. Wie so viele Katzen war auch sie kein Kuscheltier.
Und dann, oh je, mit anderen Katzen verstand sie sich nicht. Wir beobachteten, dass Belinda nur mit sehr viel jüngeren und ziemlich kleinen Katzen keine Probleme hatte. Daraufhin durfte sie in das Jugendzimmer einziehen, wo sie sehr lange auf ihren eigenen Besuch wartete. Jeder Besucher interessierte sich wirklich nur für die jugendlichen und kleinen Katzen. Andere lehnten gleich ab, die etwas eigene Katze kennen lernen zu wollen.
Eines Tages kam eine junge Frau, die nach einer unkomplizierten Katzen fragte, weil sie noch keine große Erfahrung mit Katzen hatte. Die Dame besuchte die Katzenräume, und eine Tierheim-Mitarbeiterin stellte ihr die für sie in Frage kommenden Schützlinge vor. Als die junge Frau ihren Rundgang beendet hatte, wollte sie noch überlegen und zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal vorbei kommen.
Mehr aus Neugier besuchte sie dann noch das Jugendzimmer. Da passierte etwas, was wir uns so oft wünschen: da sprang sofort ein Funke über; die Dame war begeistert von Belinda. Nun, eine Katze, die sich kaum anfassen ließ und schon mal sehr deutlich ihren Standpunkt klarmachte, war nicht so wirklich eine Anfänger-Katze. Die Interessentin ließ sich aber nicht beirren. Es sollte Belinda sein; die oder erst einmal keine.
Belinda schien es zu gefallen, dass sich jemand so intensiv um sie bemühte, denn sie gab sich recht zugänglich. Selbstverständlich sind wir jederzeit Ansprechpartner für die neuen Besitzer unserer Schützlinge, falls es im neuen Zuhause Probleme geben sollte. So durfte Belinda im Frühjahr 2003 umziehen. Sehr lange Zeit ließ Belinda sich kaum anfassen von ihrem Frauchen. Obwohl noch unerfahren, war dem Frauchen aber bewusst, dass Katzen sehr eigenwillige Tiere sein können; dass sie ihren eigenen Charakter haben. Mit ganz viel Liebe und Geduld gelang es ihr, dass sie Belinda eines Tages richtig hochnehmen konnte, was auch notwendig ist, wenn z.B. Tierarztbesuche anstehen.

Mittlerweile wohnt schon der zweite jüngere Fellkumpel, der Lucky mit ihr zusammen. Belinda, eine nun schon etwas ältere Dame gibt sich noch große Mühe mit der Erziehung des jungen Kumpels. Ansonsten liebt sie es, auf ihren weichen und warmen Decken zu dösen und bei schönem Wetter auf dem gesicherten Balkon in der Sonne zu sitzen.
Dann ist die Welt der schönen Mieze, die vor vielen Jahren Schlimmes überstehen musste, in Ordnung.

Pedro



„ ... Ich bin immer noch soo glücklich, dass Pedro da ist und ich den Weg nach Hessen gefahren bin...wegen eines Katers...:))) !!!!

Wie Pedro nach Brandenburg kam…
Nachdem mein 16 Jahre alter Kater eingeschläfert werden musste, wollte ich eigentlich nicht so schnell einen neuen Tiger. Ich wollte mich nur mal über Maine Coon Katzen oder Norwegische Waldkatzen informieren…
Da gelangte ich auf die Seite „Notfallkatzen“. Mensch, so viele Kategorien. „Katzen, die schon lange warten“, hat mich neugierig gemacht. Wieso sind die einen schon lange im Tierheim und die anderen nicht?

Dann sah ich dieses schwarze Köpfchen und klickte es an. Im ersten Moment verschlug es mir die Sprache, er sah aus wie mein vor kurzem gestorbener Kater, was für ein Zufall! Und dann noch seine Beschreibung, das wäre genau der Richtige für unseren Hof, auf dem sich ab und an die Nachbarkater rumtreiben.
Nun war das Problem, dass Pedro in Bad Wildungen war, und ich in Brandenburg…nicht mal eben um die Ecke…
Ich schrieb eine E-Mail und das Tierheim sah keine Probleme mit Pedro eine längere Autoreise anzutreten. Gesagt, getan sind wir am 8. März nach Hessen gefahren und haben Pedro abgeholt. Er war die ganze Autofahrt sehr gespannt und durfte sich im Auto frei bewegen, was ihm gefallen hat.
Im neuen zu Hause angekommen, hat er gleich alles für sich erobert. Er hat sich super schnell eingelebt. Mittlerweile hat er den Hof in der Pfote. Und wenn er Unterwegs war, dann erzählt er alles, was er erlebt und gesehen hat. Er darf raus und rein, wenn er möchte. Er kuschelt ab und zu gern. Er ist so dankbar und so toll! Ich bin so froh, dass er hier ist und manchmal bin ich einfach nur überwältigt…fast zu Tränen gerührt…das dieser tolle Kater so lange im Tierheim gewartet hat…und ich das Glück hatte ihn zu finden!  
Viele liebe Grüße von Pedro und Viviane aus Lüdersdorf!“

Kurschatten auf vier Pfoten



Sie wandern gern? Sie lieben mehr sattes Grün als karges Felsengestein? Sie haben nicht den Ehrgeiz, 2000er zu erklimmen? Dann habe ich einen Tipp für Sie: Bad Wildungen.
Hier und in der Umgebung sind die Wege so gut gekennzeichnet, dass eine Wanderkarte überflüssig wird, es sei denn, man/frau möchte sich einen Gesamtüberblick verschaffen.
Genau das beabsichtigte ich, als ich in der Kurverwaltung auf geführte Wanderungen hingewiesen wurde. Seitdem war ich für die Dauer meines Kur-Aufenthaltes in Bad Wildungen jeden Freitag Nachmittag dabei. Die während der Woche angebotenen Termine überschnitten sich mitmeinen Anwendungsverordnungen.
Die Anwendungsfreien Nachmittage nutzte ich für Alleingänge zwecks Aus- und Innenschau. Meine aufkommende Lust auf Wandergesellschaft erhielt dadurch einen Dämpfer, dass in der Klinik von den wenigen, die bereit waren, sich mehr als drei Kilometer fortzubewegen, ein Teil mit Anwendungen ausgelastet oder radelnderweise unterwegs war. Letzteres war weniger mein Bestreben und so suchte...und fand ich einen Ausweg.
Ein Anschlag im Haus brachte mich auf die Idee, im Tierheim nachzufragen. "Ich wollte mit dem Tier wandern und es nicht tragen müssen", bemerkte ich, als mein Blick skeptisch auf die mir zum Ausführen angebotene "Tonne auf vier Beinen" fiel. "Die läuft ganz prima", sollte sich voll bestätigen.
Am 3. Tag waren wir bereits drei Stunden über eine Distanz von 10 km unterwegs. Jede Stunde eine Pause und ein paar tiefe Schlucke aus Wasserflasche und Plastikbeutel. Der 10jährige Vierbeiner hielt sich prächtig, ging für mich in Verteidigungsposition und übernahm seine Rolle als Schutzhund. Ausgestattet mit drei Scheiben extra magerem Fleisch (ich wollte die zu ahnende Taillenbildung nicht sabotieren) erschien ich schweren Herzens zum Abschiedsspaziergang.
„Ich glaube nicht, dass du Dich mit meinem alten Kater verträgst. Und mindestens vier Stunden Auto fahren überstehst du bestimmt auch nicht. Außerdem ist im Auto kein Platz mehr für dich", sagte ich und öffnete die Autotür, damit die Hündin sich überzeugen konnte. Die schnupperte kurz, ein Blick in die Runde und da saß sie. Es kostete einige Überredungskünste, sie zu bewegen, den Fahrersitz wieder freizumachen. Nach einer Stunde Diskussion mit der diensthabenden Tierfreundin waren alle meine vorgebrachten Vorbehalte entkräftet, mein innerer Schweinhund besänftigt und ich anschließend beim Gepäck umstapeln.
Dass ich einen Kurschatten mitbrachte, sorgte nicht nur für Aufsehen und manch missbilligendes Kopfschütteln, sondern auch für tagelangen Gesprächsstoff. „Dass sie das ihrem Mann antun mag!" Den versuchte meine Tochter, die am meisten Verständnis für die Situation aufbrachte, zu beruhigen. „Denk doch mal, wie schön das ist, Gesellschaft zu haben und als Begleitung beim Spazieren gehen. Wenn du sie gut trainierst, kann sie auch dabei sein beim Fahrrad fahren". Der Haussegen hing zwei Tage schief. „Ein Weibchen, so dick und so alt. Hättest nicht wenigstens was Flotteres finden können?" knurrte mein Ehegatte.
Inzwischen muss mein Mann zugeben, dass sie gerade flott genug für ihn ist. Dank konsequenter Diät und einem täglichen Laufpensum von 12 km hat sie deutlich Taille und schlankere Formen aufzuweisen. Wir lieben sie beide sehr. Der Kurschatten auf vier Pfoten ist der beste Einfall, den ich seit langem hatte. und zum Nachmachen zu empfehlen.
Und noch einen Tipp habe ich für Sie: Wenn sie die Idee übernehmen, rufen Sie nicht auf der Heimtour zu Hause an und sagen: „Ich komme nicht allein. Ich bringe einen Kurschatten mit!"

Shadow



Shadow, ein großer Mischlingsrüde, kam im Februar 2002 im Alter von 20 Monaten zu uns ins Tierheim. Er war ein Energiebündel, stürmisch und verspielt, andererseits sehr lieb, ohne Aggressionen gegen Mensch und Tier, anhänglich und gelehrig. Grund seiner Abgabe war, dass er nicht allein bleiben konnte. Er weinte jämmerlich, zerstörte die Wohnungseinrichtung, öffnete Türen und ging, wenn ihm langweilig wurde, auch mal "stiften".
Nun stand der arme Tropf mit seinen viel zu langen Beinen bei uns im Tierheim. Interessenten, die zu uns kamen, waren alle begeistert von diesem bildschönen Hund - nur, niemand wollte ihm ein neues Zuhause geben.
Die Kurgäste, die mit unseren Hunden spazieren gehen, stritten sich vor unserem Tor, wer mit Shadow gehen dürfe. Bei Spaziergängern, die er besonders gut leiden mochte, hielt ihn auch der zwei Meter hohe Zaun nicht davon ab, ihnen nach der Rückkehr ins Tierheim mit einem großen Sprung zu folgen. Mancher Spaziergänger musste zurückkommen, um Shadow schweren Herzens bis in seinen Zwinger zu bringen.
Im Spätsommer des Jahres bekamen wir einen Anruf von der Tierarztpraxis Vockert im Edertal, die unser Tierheim tiermedizinisch betreut: "Wir brauchen dringend Blut!" Bei der Operation einer Labradordame stellte sich heraus, dass diese Bluter war und zu verbluten drohte. Shadow, jung, gesund und kräftig - ein Anruf im Tierheim - die Mitarbeiterin ließ alles stehen, packte den Hund ein und fuhr sofort los.
Shadow machte der Aderlass nicht viel aus, zumal ein riesengroßer Fresskorb als Dank an den Lebensretter abgegeben wurde. Auch die Labradordame überstand die OP bestens.
Manchmal, wenn keine Spaziergänger für Shadow kam, ging er eben allein. Wir konnten es kaum glauben, wie schnell er Anlauf nahm und über unseren Zaun sprang. Bei einer dieser Gelegenheiten verletzte er sich am Hinterfuss. Unser Tierarzt musste ihm eine Kralle amputieren. Wehleidig mit riesengroßer Halskrause saß er vor uns und ließ sich bedauern. Das war das letzte Mal, dass er über den Zaun sprang. Ob er sich das gemerkt hat oder ob es nur mangelnde Gelegenheit war, ist uns nicht klar, denn auch für ihn kam der Tag des Abschieds.
Endlich, nach eineinhalb Jahren, ein richtiges Zuhause! Im Frühjahr 2004 kam Frau Junghenn ins Tierheim, um nach einem geeigneteten Zweithund zu schauen. Wie immer: Shadow, ein toller Hund! Frau Junghenn leitet zusammen mit Herrn Schäfer, dem Betreiber einer Hundepension, die Hundeschule "Schäjenn" in Gemünden. Außerdem ist sie Ergotherapeutin, die tiergestützte Therapien anbietet. Sie nimmt ihre entsprechend ausgebildete Hündin (Dackelmix, 5 Jahre) stundenweise als aktive oder passive "Co-Therapeutin" mit in Therapieeinheiten. Leider musste Frau Junghenn aus gesundheitlichen Gründen den Plan, einen zweiten Hund in ihr Leben zu holen, zurück stecken. Bis ihr Infopost vom Tierheim in die Hände fiel.
Ein paar Tage später stand sie auf dem Hof. Shadow war immer noch da! Sie konnte es nicht fassen, niemand konnte sich entschließen, dem großen Hund ein Zuhause zu geben. Erstmal ging es raus zum Spazierengehen, dann ein paar Tage später stand fest: Shadow geht mit heim!
Nach fünf Tagen zur Probe kam Frau Junghenn und unterzeichnete den Abgabevertrag. Glücklich erzählte sie uns von "ihrem" Shadow, wie toll er sich ins "Familienrudel" integriert und bereits erste therapeutische Annäherungen mit Kindern und Senioren meisterte. Nun steht ihm viel neues bevor: Er wird eine qualifizierte Ausbildung zum Therapie- und Besuchshund bekommen! Wir, der Tierschutzverein Bad Wildungen, sind uns nicht nur sicher, dass dieser große Hund seine Aufgabe mit Bravour erledigen wird - nein - Wir sind stolz auf ihn!

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