Fledermäuse


 

Geheimnisvolle Tiere mit außergewöhnlichen Fähigkeiten

Schon seit alters her haben Fledermäuse die Phantasie der Menschen beflügelt. Kaum eine andere Tierart wurde mit so vielen Sagen und Mythen bedacht. Auch heute noch empfinden viele Menschen diese lautlosen, nachtaktiven Flugkünstler als unheimlich. Unsere heimischen Fledermäuse sind keine Ungeheuer, sondern harmlose Insektenvertilger. Alle bei uns vorkommenden Fledermausarten sind in ihrem Bestand gefährdet und stehen auf der "Roten Liste".

Faszinierende Flugkünstler

Als einzige Säugetiere der Welt sind die Fiedertiere zum aktiven Flug fähig. Sie besitzen eine dünne Flughaut als Tragfläche. Diese wird von den Armen, den extrem verlängerten Fingern und den Beinen aufgespannt.  Lautlos bewegen sich die Fledermäuse durch die dunkle Nacht. Mit einem Echoortungssystem nehmen sie ihre Umwelt wahr. Dazu stoßen sie für uns nicht hörbare Ultraschallrufe aus, deren Echo ihnen ein Klangbild ihrer Umgebung vermittelt. Auch ihre Nahrung orten sie auf diese Weise. Auf dem Speiseplan unserer einheimischen Fledermausarten stehen ausschließlich Insekten wie Mücken, Nachtfalter oder Käfer. Fledermäuse nehmen pro Nacht durchschnittlich ein Drittel ihres Eigengewichtes an Nahrung auf.

Das Fledermausjahr

Das Leben unserer einheimischen Fledermausarten wird durch den Wechsel der Jahreszeiten bestimmt. Im Winter verkriechen sich die Insektenjäger in geschützte Bereiche. Sie überstehen die nahrungslose Zeit in einem tiefen Winterschlaf. Frostfrei sollen die Schlafplätze allerdings sein. Damit die Fledermäuse während der Schlafphase nicht vertrocknen, brauchen sie außerdem eine hohe Luftfeuchtigkeit. All dieses finden sie in ehemaligen Bergwerken, Felshöhlen oder alten Kellergewölben. Manche Fledermausarten überwintern in großen Gruppen sogar in frostigen Baumhöhlen oder Mauerspalten an Hausfassaden.

Von Mauerspalten bis Spechthöhlen

Wenn im Frühjahr die Insekten wieder fliegen, erwachen auch die Fledermäuse. Jetzt suchen sie warme und trockene Sommerquartiere auf. Diese findet man nicht selten in und an Gebäuden. Hier gibt es vielerlei Versteckmöglichkeiten wie etwa auf Dachböden oder in Mauerspalten. Einige Arten bevorzugen auch Quartiere in Bäumen. Während die Weibchen in größeren Kolonien den Nachwuchs zur Welt bringen und großziehen (Wochenstuben), leben die Männchen einzeln. Erst im Herbst treffen sich Männchen und Weibchen wieder, um für die neue Fledermausgeneration zu sorgen (Paarungsquartieren). In dieser Zeit fressen sich die Fledermäuse auch ihre Fettpölsterchen für den Winterschlaf an. Zwischen den Sommer- und Winterquartieren können sehr große Entfernungen liegen. So legen manche Arten mehrere hundert Kilometer zurück. Die meisten Fledermäuse überwintern in der näheren Umgebung oder verbleiben sogar in ihrem Sommerversteck. 

Fledermäuse in Waldeck-Frankenberg

Im Landkreis sind bisher 17 Fledermausarten nachgewiesen. Mit dem Nationalpark Kellerwald, den Stauseen und Gewässern, der artenreichen Kulturlandschaft, großen Waldflächen sowie vielen alten Bergbaustollen und ehemaligen Eiskellern bietet Waldeck-Frankenberg im Sommer und Winter wichtige Lebensräume für Großes Mausohr, Wasserfledermaus oder Großer Abendsegler. Häufigste Art ist die nur fünf Gramm schwere Zwergfledermaus, die hinter vielen Hausfassaden lebt. Typische Waldbewohner sind Bechstein- und Fransenfledermäuse sowie das Braune Langohr.

Die NABU Arbeitsgruppe Fledermausschutz kümmert sich seit vielen Jahren um die bedrohten Tiere. Bei Fragen, Quartiermeldungen oder Interesse an Exkursionen oder Vorträgen wenden Sie sich an die NABU Kreisgeschäftsstelle unter Tel. 05631/6993

Weitere Informationen im Internet unter www.nabu-waldeck-frankenberg.de.

Erste Hilfe für Fledermäuse

 Fledermäuse, die verletzt, krank oder hilflos aufgefunden werden, benötigen unsere Hilfe. Zu Verletzungen kommt es durch den Straßenverkehr oder durch Katzen.  Manchmal findet man Fledermäuse auch auf Parkplätzen oder krabbelnd im Garten. Noch flugunfähige Jungtiere fallen manchmal aus ihrer Wochenstube und können ihr sicheres Quartier nicht mehr erreichen. Fledermäuse sind Wildtiere und können bei Angst und Gefahr empfindlich zubeißen! Befördern Sie die Fledermaus deshalb vorsichtig mit einem Handschuh oder Tuch in einen Karton, in den Sie etwas Küchenpapier zum Verstecken legen. Stellen Sie die Fledermaus in eine ruhige, dunkle und kühle Ecke, damit sie sich beruhigen kann. Informieren Sie eine/n NABU-Fledermausexpertin/en in ihrer Nähe.

Als erste Hilfe können Sie dem geschwächten Tier wenige Tropfen Wasser zum Trinken anbieten (Pipette oder Holzstäbchen benutzen). Passen Sie bitte auf, dass dabei kein Wasser in die Nase der Fledermaus gelangt.

Einflüge in die Wohnung

Im Spätsommer fliegen Fledermäuse manchmal auch in größerer Zahl in Wohnungen ein. Es sind meist Zwergfledermäuse, die hinter einem geöffneten oder gekippten Fenster ein geeignetes Quartier vermuten. Sie suchen sich ein Versteck, um den Tag zu verschlafen. Bitte bewahren Sie in einem solchen Fall Ruhe und lassen Sie die Fledermäuse hängen. Die Tiere sind vollkommen harmlos und werden Sie nicht angreifen. Sie können dann über Nacht das Fenster weit öffnen, die Tür zu anderen Zimmern verschließen und den Tieren damit den Weg in die Freiheit erleichtern. Wenn Sie dabei Hilfe benötigen oder die Fledermäuse am Morgen immer noch in Ihrer Wohnung sind, rufen Sie bei einem Fledermausexperten in Ihrer Nähe an.

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